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Das ausgefallene Krippenspiel

„Marius, du musst Maria stürzen. Sie ist hochschwanger und verzweifelt, weil ihr keine Unterkunft findet.“ Pastor Mollenhauer plumpst erschöpft auf einen Stuhl. Normalerweise probt er gerne mit den Konfirmanden das Krippenspiel ein, dass sie traditionell am Heiligen Abend in der Kirche aufführen. Aber heute fühlt er sich nicht gut. „Marius, du hältst Maria als hätte sie eine anstreckende Krankheit.“
Die anderen Jungen grölen schadenfroh und Marius schaut mürrisch aus der Wäsche. Hätte er gewusst, dass die doofe Lena die Maria spielt, hätte er sich nie für die Rolle des Joseph gemeldet.
Mit einem theatralischen Seufzer stützt sich Lena auf Marius Arm. „Joseph, mein lieber Gatte, ich bin schwach und kann nicht mehr laufen.“
„Lass uns hier in dem Stall ausruhen.“ Zügig geht Marius von der Bühne und schleift Maria wie einen Kartoffelsack hinter sich her.
„So, jetzt der Auftritt der Hirten.“ Pastor Mollenhauer hat so starke Bauchschmerzen, dass er nicht einmal einschreitet, als Julian und Stefan sich mit ihren Hirtenstäben duellieren. „Kinder, es tut mir leid, aber mir geht es heute nicht besonders gut. Lasst uns die Probe abbrechen.“
Die Kinder stürmen begeistert aus dem Gemeindehaus und merken gar nicht, wie schlecht es ihren Pastor geht.

Am nächsten Dienstag erscheinen alle Kinder pünktlich, um für das Krippenspiel zu proben. Der einzige, der fehlt, ist Pastor Mollenhauer.
„Wo bleibt er nur“, fragt Julian gähnend.
„Merkwürdig, sonst ist Pastor Mollenhauer immer pünktlich“, rätselt Lena.
„Letztes Mal ging es ihm nicht gut“, überlegt Sabina. „Vielleicht ist er krank?“
Diakonin Schäfer steckt erstaunt ihren Kopf durch die Tür. „Kinder, was macht ihr hier.“
„Wir wollen für das Krippenspiel üben“, rufen Stefan und Sabina gleichzeitig.
„Oh je, das habe ich ganz vergessen. Es tut mir leid, Kinder, aber wir müssen das Krippenspiel absagen. Pastor Mollenhauer hatte einen Blinddarmdurchbruch. Er musste im Krankenhaus operiert werden. Keine Sorge, es geht ihm wieder ganz gut. Aber es dauert, bis er wieder gesund wird. Ich würde ja für ihn einspringen, aber ich kann nicht.“
Die Kinder sind beschämt, weil sie sich beim letzten Treffen gar nicht um den kranken Pastor gekümmert haben. Nur Marius ist im ersten Moment erleichtert. Jetzt muss er nicht mehr Lena-Maria in den Arm nehmen. Aber irgendwie ist es auch traurig.
„Kein Krippenspiel?“ fragte Lynn betrübt. „Weihnachten wird immer ein Krippenspiel von den Konfirmanden aufgeführt.“
Diakonin Schäfer zuckt die Achseln. Sie ist spät dran. Ein junges Ehepaar möchte die Taufe ihrer kleinen Tochter besprechen. „Das ist nicht zu ändern“, erklärt sie unwirsch.
„Wir können das Stück alleine proben“, schlägt Sabina resolut vor. „Die Rollen sind verteilt, wir haben den Text und den Rest schaffen wir alleine.“
Die anderen Kinder stimmen lauthals zu und Diakonin Schäfer willigt schließlich ein. „Also gut, ihr dürft wie bisher im Gemeindehaus proben. Aber versprecht mir, dass ihr keinen Unsinn macht.“
Alle Kinder jubeln begeistert. Diakonin Schäfer verabschiedet sich mit dem Gefühl, nicht die beste Entscheidung getroffen zu haben. Vielleicht schafft sie es, ab und zu die Proben zu besuchen.

Es ist gar nicht so leicht, für ein Krippenspiel zu proben. Im dramatisch ansteigenden Lärmpegel schreien alle Kinder wild durcheinander: Einige wollen eine Kostümprobe ansetzen, andere das Stück durchspielen und die Mädchen überlegen, ob Sie dem kranken Pastor etwas schenken sollen.
„Ruhe“, übertönt Julian plötzlich den Tumult. „Wir brauchen jemanden, der die Proben leitet. Sonst haben wir nur Chaos.“
„Ja, Sabina soll die Proben leiten“, rufen Lena und Lynn.
Julian verzieht sein Gesicht. „Wieso, ich kann das viel besser.“
„Aber ich bin in der Schule in der Theater-AG“, trumpft Sabina auf. „Wenn du willst, wir können gerne abstimmen.“
Fünf Mädchen gegen vier Jungen. Julian kann rechnen und verzichtet auf seine Niederlage.
Sabina ist in ihrem Element. Gemeinsam beschließen sie, einen Blumenstrauß für Pastor Mollenhauer zu kaufen. Anschließend beginnt die Probe mit der Herbergssuche von Maria und Joseph.
„Marius, kümmere dich um deine schwanger Frau“, ruft Sabina genervt.
Marius zieht ein Gesicht, als hätte er Zahnschmerzen. „Also, irgendwie ist diese Geschichte total hohl“, murrt er. „Jeden Weihnachten diese abgelutschte Story.“
„Claro, wir führen einfach was ganz anderes auf“, spottet Lynn. „Woran hast du gedacht, etwas über Buddha?“
„Sei nicht blöd“, faucht Marius zurück. „Ich meine, diese weihnachtlichen Krippenspiele wiederholen sich ständig. Herbergssuche, Hirten, Stall und Wohlgefallen. Worum geht es eigentlich?“
„Na, der liebe Gott hat uns seinen Sohn geschenkt.“ Sabina versteht die Kritik nicht.
„Ja, aber was bedeutet das für uns“, meldet sich Lynn nachdenklich zu Wort.
„Ich finde, Marius hat Recht.“ Julian mischt sich ein, um Sabina eins auszuwischen. „Das Krippenspiel ist echt öde.“
„Das haben wir selber ausgesucht“, erinnert Lena.
„Ja, weil die anderen Stücke albern waren. Oder willst du dich als Tier verkleiden und über die Bühne hoppeln?“ Stefan schüttelt sich.
„Das ist ja das Problem, diese Krippenspiele sind alle langweilig. Da passiert nie etwas Neues.“ Marius ist in seinem Element.
„Wir können die Geschichte nicht verändern!“ Sabina tippt sich grinsend an die Stirn.
„Du lachst, aber stell dir vor, uns besuchen Außerirdische. Die halten uns ja für total bescheuert, weil wir uns seit 2000 Jahre immer wieder dieselbe Geschichte erzählen. Als hätten wir Alzheimer“, murrt Marius.
„Und die Geschenke der Weisen aus dem Morgenland sind auch merkwürdig“, meldet sich Melanie leise zu Wort. Sie hat gerade ein kleines Schwesterchen bekommen und kennt sich aus. „Was soll ein Baby mit Weihrauch, Myrrhe und Gold anfangen.“
„Na, der Weihrauch übertüncht den Gestank im Stall“, kichert Tobias.
„Ja, die Geschenke sind obergruftig“, stimmt Lynn zu. „Da zählt wohl mehr die Geste als der Inhalt.“
„Leute, das waren damals wertvolle Gaben“, sperrt sich Sabina. „Sollen wir stattdessen Windeln und Babyrasseln verschenken?“
Alle kichern, nur Marius bleibt ernst. „Ich glaube, die meisten hören nicht mehr hin, wenn die Weihnachtsgeschichte erzählt wird. Und sie vergessen, warum wir überhaupt Weihnachten feiern. Die Kinder denken nur an Geschenke und die Erwachsenen jammern über die Hektik und den Stress.“
Die anderen stimmen ihm zu. Jedem fällt ein Beispiel ein, was ihnen in der Weihnachtszeit nicht gefällt. Und dann haben sie eine Idee.
Hätte sich Diakonin Schäfer Zeit für die Konfirmanden genommen, hätte sie sich gewundert, wie ruhig Proben zu einem Krippenspiel verlaufen können.

„Bevor wir den Gottesdienst am heiligen Abend mit dem Lied ‚Oh du fröhliche’ abschließen, werden uns die Konfirmanden ein Krippenspiel vortragen.“ Mit einem gequälten Lächeln setzt sich Diakonin Schäfer zu Pastor Mollenhauer in die erste Reihe. Er schaut verwundert, aber sie erzählt ihm lieber nicht, dass seine Konfirmanden das Stück alleine geprobt haben.
Die Konfirmanden stehen von ihren Plätzen auf. Sie sind in weite Umhänge gehüllt. Joseph stützt behutsam die schwangere Maria, die Hirten tragen eine große Kiste.
Vor ihnen steht der Engel Sabina ganz in einem weißen Bettlaken gehüllt: „In unserem Krippenspiel geht es um Maria und Joseph, der Geburt im Stall, den Besuch der Hirten und der drei Weisen aus dem Morgenland. Sie kennen die Geschichte, oder?“
Tobias tritt vor. „Puh, bin ich erledigt. Wegen der Volkszählung ist mein Wirtshaus überbelegt. Und ständig bitten Leute um eine Unterkunft. Aber was soll ich machen, ich habe keinen Platz für Maria und Joseph.“
Der Engel Sabina schaut streng. „Wie kannst du eine schwangere Frau abweisen?“
Tobias geht empört gestikulierend vor der Gemeinde auf und ab. „Jetzt geht das wieder los. Alle meckern an mir herum, dabei habe ich nur meinem Job erledigt. Soll ich jemanden anderen rausschmeißen? Das gibt auch wieder Ärger. Nein, nein, ich kann mich nicht um alle Menschen kümmern. Dafür habe ich keine Zeit.“ Tobias verschränkt seine Arme.
Die Hirten Julian und Stefan stürmen vor.
„Nimm dir ein Beispiel an uns“, ruft Julian. „Wir Hirten beschützen unsere Herde.“
„Wir sind mutig und verantwortungsbewusst“, ruft Stefan.
„Wir kümmern uns aber auch um andere“, nickt Julian.
„Wir folgten dem Stern und begrüßten als erste das Christkind“, prahlt Stefan.
„Hört auf euch selber zu loben“, meckert Tobias. „Euch war bloß langweilig. Kaum passiert etwas, rennt ihr los und lasst die Schafe alleine. Ihr seid mir schöne Helden.“
Die Hirten schauen betreten zu Boden.
Die heiligen drei Könige Lynn, Melanie und Sophia werfen sich in die Brust: „Wir sind weit gereist, um den neuen König zu begrüßen. Wir haben sogar Geschenke mitgebracht.“
„Na, so weise seid ihr gar nicht“, murrt Tobias. „Habt Ihr euch wirklich Gedanken gemacht, was das kleine Baby brauchen könnte? Oder wolltet Ihr mit euren protzigen Geschenken nur zeigen, wie reich Ihr seid?“
Die Weisen aus dem Morgenland kratzen sich verlegen am Kopf.
Maria und Joseph treten vor.
„Wir sind alle nicht fehlerlos“, erklärt Marius.
„Darum sollten wir uns weder selber loben noch andere verurteilen“, sagt Lena.
„Hört unsere Weihnachtsbotschaft…“, ruft Marius.
„…und behandelt euch untereinander mit Liebe und Respekt“, ergänzt Lena.
„Ja, Weihnachten sind alle lieb und nett und morgen geht das Hauen und Stechen wieder los“, ruft Tobias dazwischen. „Sehen wir es realistisch, heutzutage zählt nur noch Geld. Wer zu lieb ist, bleibt auf der Strecke.“
Der Engel Sabina wendet sich an die Gemeinde. „Was meint Ihr, hat der Wirt recht? Vielleicht, aber wir haben diesen einen Heiligen Abend im Jahr, um uns zu erinnern, dass andere Werte im Leben zählen. Darum bitte ich alle sich zu überlegen, wie er die Welt ein kleines bisschen besser machen kann.“

Der Wirt Tobias zieht den Umhang aus. Darunter trägt er Jeans und Sweatshirt. „Ich habe oft meinen kleinen Bruder ausgeschimpft, wenn er mein Spielzeug wollte. Yannis, ab heute darfst du mit meinem Lego spielen.“
Ein helles Jauchzen ertönt im Zuschauerraum.
Die Hirten ziehen ihre Umhänge aus und versprechen: „Wir denken kaum an Menschen, denen es nicht so gut geht. Das wollen wir ändern. Ab sofort erledigen wir ehrenamtlich für kranke oder ältere Menschen Einkäufe.“.
Die Weisen aus dem Morgenland ziehen ihre Umhänge aus und rufen: „Wir bekommen heute Abend wieder viele Geschenke. Unsere Zimmer quellen über vor Spielzeug. Und auch unsere Eltern haben viele Sachen, die sie gar nicht brauchen. Deshalb werden wir im Gemeindehaus ein Tauschzimmer einrichten. Jeder kann gut erhaltene Sachen bringen, die er nicht mehr braucht, und gegen etwas anderes tauschen.“
Der Engel Sabina öffnet die geheimnisvolle Kiste und verteilt an alle Konfirmanden Kerzen. „Wir gehen jetzt durch die Kirche und verteilen Kerzen an jeden von euch. Sie sollen euch das ganze Jahr daran erinnern, eure Herzen für andere zu öffnen“, erklärt Sabina. Dann wirft auch sie ihren Umhang ab. Stefan und Julian tragen die Kiste, Marius und Lena zünden die Kerzen an und die anderen Kinder reichen sie weiter an die Gemeinde.
Auch Pastor Mollenhauer bekommt eine Kerze. „Das war das schönste Krippenspiel, das ich jemals erlebt habe.“ Er nickt begeistert. „Woher habt ihr die Kerzen?“
„Die Kerzen sind eine Spende vom Supermarkt“, erklärt Julian.
„Wir haben aus Papier kleine Tropfenfänger gebastelt und über das untere Ende der Kerzen gezogen. So kann kein Wachs auf den Boden der Kirche tropfen.“ Sabina freut sich über das Lob.
Es ist ein wunderschöner Anblick, als alle Kirchenbesucher aufstehen und mit der Kerze in der Hand gemeinsam das Weihnachtslied „Oh du fröhliche“ singen. Am lautesten wenn auch nicht immer am schönsten singen neun glückliche Konfirmanden.

Text: Adelheid Fangrath
Foto: pixelio/Karl-Michael Soemer

 

 

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