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Gut abgehärtet durch die kalten Tage

Mythos Abhärten – unter diesem Titel ist Ende vergangenen Jahres ein Artikel bei Spiegel-Online erschienen. Mit Abhärtungs-Maßnahmen, wie beispielsweise Sauna oder kalten Bädern, könne das Immunsystem nicht positiv beeinflusst werden, hieß es dort. Fachleute widersprechen diesen Aussagen.

„Die Hydrotherapie hat in Europa eine lange Tradition“, erklärt Dr. Doreen Jaenichen, Ärztin an der Ambulanz für Integrative Onkologie und Naturheilkunde, Klinik für Innere Medizin II an der Universität Jena. „Neben der Bewegungs-, Ernährungs-, Kräuter- und Ordnungstherapie ist die Hydro- oder auch Wassertherapie eine der insgesamt fünf Säulen der klassischen Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp.“

Einerseits lassen sich damit bestimmte Beschwerden lindern. Durch eine kalte Leibauflage beispielsweise können Magenbeschwerden gemildert werden. Über sogenannte cutiviscerale Reflexe lassen sich darüber hinaus aber auch Organfunktionen anregen. Die Ärztin ist überzeugt, dass eine vorbeugende Wassertherapie wirksam ist, was viele Studien belegen.


Weniger Atemwegsinfekte bei Lungenkranken

So prüften beispielweise Wissenschaftler der Universitätsklinik Jena den Effekt gezielter Anwendungen mit kaltem Wasser bei Patienten mit der chronischen Lungenerkrankung COPD.1 Die Patienten führten dreimal pro Woche einen kalten Oberguss durch und an zwei weiteren Tagen eine kalte Waschung des Oberkörpers. Diese Kaltwasserreize verbesserten das Befinden der Lungenkranken nachweislich und verringerten die Anzahl der zusätzlich erlittenen Atemwegsinfekte. Die Beobachtung wurde durch physiologische Untersuchungen erhärtet: „Die Kontrolle von verschiedenen Markern des Immunsystems bestätigte den Effekt“, so Jaenichen.


Auch Herzkranke können profitieren

Schon Jahre zuvor zeigte sich der positive Effekt einer intensiven Hydrotherapie bei Patienten mit Herzerkrankung. Bei dieser klinischen Untersuchung erreichten die Patienten mit einer Kombination von verschiedenen hydrotherapeutischen Anwendungen – über einen Zeitraum von sechs Wochen – eine Besserung ihrer Symptomatik.2


Fußbad mit Senfmehl gegen Nebenhöhlenentzündungen

Jaenichen: „Gerade in der Erkältungszeit bietet sich die Prophylaxe mit hydrotherapeutischen Maßnahmen an. Neben regelmäßigen Saunabesuchen beziehungsweise Kaltanwendungen zur Steigerung der Abwehrkräfte kann auch ein Senfmehlfußbad empfohlen werden.“ Hierfür gibt man dem Fußbad etwa ein bis zwei Eßlöffel gemahlenes Senfmehl zu und badet die Füße etwa zehn Minuten in möglichst heißem Wasser. Das Senfmehl-Fußbad wird vor allem bei Erkältungsneigung, Nasennebenhöhlenentzündung und allgemeiner Energielosigkeit angewendet. Kinder unter 5 Jahren, Schwangere sowie Menschen mit Hauterkrankungen im Fußbereich dürfen diese Maßnahme nicht durchführen. Nach dem Bad: die Füße gut abtrocknen, mit Wollsocken warm halten und am besten gleich ins Bett gehen.

Durch das Einreiben der Füße mit Öl kann der Effekt noch gesteigert werden.
Wer so für sich sorgt, kann den noch bevorstehenden kalten Monaten gut entgegensehen.

Text: DGK
Foto: Pusti-Fotolia.com


Quellen:

(1) Goedsche et al: Repeated cold water stimulations (hydrotherapy according to Kneipp) in patients
with COPD, Forsch Komplementmed. 2007 Jun;14(3):158-66.
(2) Michalsen et al: Thermal hydrotherapy improves quality of life and hemodynamic function in patients with chronic heart failure. Am Heart J 2003; 146 (4): E11

 

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