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Zur Debatte „Schlechte LehrerInnen in Deutschland?“

Zu den Faktoren Eltern, Schüler, Lehrende und Ausbildung

Derzeit wird öffentlich diskutiert, dass viele LehrerInnen offensichtlich mit ihrem Beruf überfordert sind. Das merkt man dann meist daran, dass sie auf die Schwierigkeiten und Probleme der Kinder nicht eingehen können und anscheinend lieber eine schlechte Note als die nötige Unterstützung geben und mit Eltern nicht kooperieren. Bei dieser Pauschalisierung ist jedoch Vorsicht geboten. Ohne Partei für Eltern oder Lehrer ergreifen zu wollen, sollen hier einige bedenkenswerte Aspekte aller Richtungen genannt werden, die für dieses heftig diskutierte Dilemma von Bedeutung sind. Formuliert werden sie aus Sicht einer ehemaligen Studentin des Lehramts für die Grundschule, die im Hauptstudium den Studiengang aus vielen Gründen gewechselt hat.

 

Schuldzuweisungen von Eltern und LehrerInnen

Es gibt noch immer den Großteil der GrundschullehrerInnen, die sehr engagiert und gut mit den Kindern arbeiten. Sie berichten ebenso häufig von Eltern, die auf die Bildung und die Erziehung ihrer Kinder kaum Wert zu legen scheinen, wie Eltern darüber berichten, wie „unfähig“ die Lehrer seien. Die Seite der Eltern weist genauso einige "Mängel" auf, das sollte man nicht vergessen. Damit soll nicht die gesamte Elternschaft kritisiert werden! Nur ist dieser Punkt genauso wichtig und wird häufig bei der ganzen „Lehrerhasser“-Debatte vergessen. Es wird von vielen Eltern oft treffend beobachtet, dass es sehr vom persönlichen Engagement der LehrerInnen abhängt, wie sie den Problemen der Kinder entgegen treten. Individuelle Betreuung von einzelnen Kindern geht in großen Klassen oft auch auf Kosten der Betreuung der Mitschüler. Hier müssen sich LehrerInnen für einen Mittelweg entscheiden, der natürlich für keine Seite optimal sein kann!

 

Veränderte Kinder?

Auch die Kinder selbst sind ein wichtiger Faktor in diesem Streit. Niemand darf behaupten, die Kinder seien heutzutage problematischer. Dies ist zu oberflächlich argumentiert. Gewalt an Schulen und "schlecht erzogene" Kinder gab es zu jeder Zeit. Dennoch hat gerade die Gewalt eine andere Ebene erreicht. Mitschüler werden geschlagen und diese Taten dann auf dem Kamerahandy aufgezeichnet. Und das alles als Spaß und aus reiner Langeweile. Das Pendant zum früheren Pausenbrotklau ist heute die "Abzocke": Taschengeld, Handy, Schuhe und Jacke werden anderen Schülern auf brutale Art und Weise entwendet. Nicht immer und überall, aber das Phänomen nimmt zu. Das sind nur einige Bespiele dafür, dass die Situation an Schulen generell angespannter ist. Auch an Grundschulen gibt es bereits Gewaltprobleme. 

Zudem werden die Fälle von Kindesmisshandlung, Kindesmissbrauch, familiärer Gewalt, Verhaltensauffälligkeiten oder Lernbehinderungen zwar nicht unbedingt mehr, sie werden nur häufiger publik. Und wo früher von Lehrenden weniger das Gespür für solche Situationen verlangt wurde, einfach weil diese Fälle auch nicht so häufig bekannt wurden, so müssen sie in Zeiten, in denen genau diese heiklen Situationen öfter bekannt werden, auch öfter darauf reagieren.

Als weiteren Aspekt kann auch der Medienkonsum genannt werden. Auch wenn es nicht alle Kinder sind, so sind es immer noch sehr viele, die nach einem Wochenende am Montagmorgen unausgelastet und mit Eindrücken aus PC-Spielen und Fernsehsendungen überfordert zum Unterricht kommen. Dies äußert sich dann oft im Verhalten und das müssen die LehrerInnen erst einmal auffangen um mit dem Unterricht beginnen zu können.

 

Die schwarzen Schafe

Nichts desto trotz wird es immer Lehrpersonen geben, die nur die reine Wissensvermittlung als ihren Auftrag sehen und die erzieherischen und sozialen Belange den Eltern zuschieben. Diese schwarzen Schafe gibt es hier wie in allen Berufszweigen. Darauf folgt meist das Argument: „Aber bei Lehrern darf es die doch nicht geben, die arbeiten schließlich mit unseren Kindern!“ Das stimmt natürlich, die Arbeit von Lehrenden an Schulen ist sehr wichtig. Und damit steht die Frage im Raum, warum es viele Lehrende gibt, die keine relevanten Fähigkeiten aufweisen. Den meisten der als unfähig erscheinenden Lehrpersonen darf man keine Boshaftigkeit oder Dummheit vorwerfen. Dennoch gibt es offensichtlich an vielen Grundschulen LehrerInnen, die nicht dafür geeignet sind, Kinder zu unterrichten. Die vielen Eltern, die sich beklagen, können ja nicht alle falsch liegen. 

Nun ist es eine Sache, die Gegebenheiten wehement zu kritisieren, aber das Reden von Eltern gegen "die" Lehrer und auf der anderen Seite die Lehrer, die sich über "die" Eltern und Kinder ärgern, bringen keine Lösung. Die Fronten werden lediglich verhärtet. Diese ganze Grundsatzdebatte um die Qualität unserer LehrerInnen muss ein entscheidenden Punkt mit aufgreifen: Woran kann das liegen und wie kann hier eine Besserung erreicht werden?

Das Problem liegt in vielen Fällen in der Struktur der Ausbildung und in der Definition der „relevanten Fähigkeiten“ für GrundschullehrerInnen.
Lehramtsanwärter lernen viel Fachwissen, aber wie sehr muss sich ein Erwachsener mit den fachlichen Inhalten der Grundschule auseinandersetzen? Natürlich muss er über ein detailliertes fachliches Wissen verfügen, das weit über das eines Grundschülers hinausgeht. Aber ist dieses Wissen immer die Basis des späteren beruflichen Handelns? Sind viele Lehrer tatsächlich einfach nur „Fachidioten“?

 

Die Ausbildung an der Universität

In der universitären Ausbildung wird auf das ganze soziale Gefüge "Schüler - Eltern - Lehrer" kaum hingearbeitet. Es werden zum größten Teil nur das reine Fachwissen und einige didaktische Kompetenzen sowie (rudimentäre) erziehungswissenschaftliche "Grundkenntnisse"  vermittelt. Sicherlich muss ein bestimmtes Fachwissen vermittelt werden, denn wenn Grundschullehrer nicht über Themenbereiche tiefer gehend bescheid wüssten, bräuchten sie die Kinder nicht zu unterrichten. Aber wie weit muss das Fachwissen gehen? Müssen Grundschullehramts-Studenten und –Studentinnen wirklich wissen, wie das Rechnen außerhalb unseres Bündelungssystems funktioniert? Müssen sie komplexe mathematische Beweise vorrechnen können? Wird in der Grundschule etwa die Lektüre „Bahnwärter Thiel“ von Gerhard Hauptmann bearbeitet? Alles Inhalte, die im derzeitigen Studium durchaus auf dem Stundenplan stehen! Die ganzen Themen Lernschwierigkeiten, Verhaltensstörungen, Umgang mit Eltern, Notengebung (!), Alltagsprobleme der Kinder aufgreifen, Themenaufbereitung etc. werden so gut wie gar nicht vorbereitet. Dieses Wissen kann sich der/ die engagierte ReferendarIn dann erst im anschließenden Referendariat aneignen, und das auch nur, wenn er oder sie vernünftig angeleitet wird.

Von LehrerInnen werden Fähigkeiten erwartet, die sie gar nicht erbringen können, weil Ihnen schlichtweg die Handlungskompetenz fehlt. Denke man allein an das nötige Feingefühl in heiklen Situationen wie vermuteter Missbrauch oder Anzeichen von Lernbehinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Damit wird jeder Lehrende im Laufe seines Beruflichen Lebens konfrontiert. Ein vorschnelles Urteil des Lehrers oder der Lehrerin kann hohe negative Folgen für Kind und Familie haben, aber wenn ein Verdacht nicht geäußert wird, der sich später dann doch erhärtet, sind die Folgen natürlich noch dramatischer. Diese Themen werden im Studium - wenn überhaupt! – nur als seltene und wahlfreie Randveranstaltungen angeboten.

 

Veränderung – aber wie?

Um die Qualität der Lehre und der Lehrenden zu verbessern, müsste das Ausbildungssystem umstrukturiert werden. Hierfür wäre eine deutliche Hervorhebung aller geforderten sozialen Fertigkeiten von Nöten. Auch die Praxiserfahrungen müssen wieder mehr in den Vordergrund gestellt werden. Früher wurden Lehrende an Lehrerfachschulen ausgebildet, dies wurde zugunsten der universitären Ausbildung aufgehoben. Und obwohl es sich um ein volles Studium handelt, ist das Staatsexamen kein offizieller akademischer Grad, wie etwa ein Diplom. Fakt ist: Im Studium „Lehramt für die Primarstufe“ sind nach der bisher geltenden Studienordnung drei Praktika vorgesehen. Eine einwöchige Hospitation, ein wöchentliches, semesterbegleitendes Praktikum und ein vierwöchiges Blockpraktikum. In dieser Zeit gewinnen die Studierenden einen Einblick in den Schulalltag. Um wirklich den Beruf des Lehrenden zu erlernen reicht die Zeit nicht aus. Diese Möglichkeit ist erst im Referendariat gegeben. Und nach 7 bis 9 Semestern Theorie-Studium inklusive erstem Staatsexamen fühlen sich die meisten Referendare nicht mit dem praxisrelevanten Wissen ausgestattet, müssen aber recht bald eigenständig unterrichten.

 

Fazit

Nach einem kompletten Studium des Lehramts für die Primarstufe habe ich  das erste Statsexamen und das Referendariat nicht mehr angetreten, und zwar aus genau den Gründen, die hier beschrieben sind. Dieses Studium bildet aus meiner Sicht nicht genug Fähigkeiten aus, die ein sozial kompetenter Lehrer haben muss! Niemand darf und will von LehrerInnen die absolute Perfektion verlangen. Darum geht es auch nicht, Menschen werden niemals ohne Fehler sein. Aber die Zahl der sog. unfähigen, überforderten oder schlechten Lehrer sollte in der Tat dezimiert werden. Gerade beim Grundschullehramt sollten die vielen Varianten der Interaktion zwischen Eltern, Schülern und LehrerInnen vor dem Fachwissen stehen!

Derzeit steht eine Reform des Lehramtsstudiums an, statt des Staatsexamens wird eine Ausbildung in zwei Stufen angestrebt: Bachelor und Master. In wie weit das wirklich eine Optimierung darstellt, muss sich in den kommenden Jahren zeigen.

Auf den Beamten-Status ist bisher noch gar nicht eingegangen worden. Darüber wird in diesem Zusammenhang genauso strittig diskutiert. Der Vorwurf, nach der „Verbeamtung“ würden sich viele Lehrende weniger engagieren, weil ihnen die Stelle ohnehin sicher sei, wird oft laut. Wird es irgendwann notwendig sein, die Qualität der Lehre in regelmäßigen Abständen von Fachleuten zu überprüfen? Das dürfte wohl nicht die optimalste Lösung sein. Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich bei Ihrer Arbeit einer ständigen Überprüfung aussetzen. Damit wird das Gefühl von mangelnder Selbstständigkeit und Unvermögen vermittelt, und das sollte nicht das Ziel sein.

Die Zukunft wird zeigen, welche Lösungswege beschritten werden. Denn Fakt ist, dass sich immer öfter unzufriedene Eltern zu Wort melden, die sich um die Bildung ihrer Kinder ernsthafte Sorgen machen. Darauf muss bald reagiert werden. Wir dürfen gespannt sein, ob die angekündigte "Ganztagsschule" hier Abhilfe schaffen wird, denn dafür müssen neue LehrerInnen und weiteres pädagogisch ausgebildetes Personal eingestellt werden, die den sogenannten frischen Wind mitbringen.

Bei aller Diskussion, ob Eltern oder Lehrer Schuld an Problemen und Schulversagen der Kinder tragen, soll abschließend betont werden: die Bildung ist nicht nur die Aufgabe der jeweils anderen Seite. Eine gute Zusammenarbeit von Eltern und Lehrenden ist eine sehr wichtige Basis für die wegweisende Phase der Grundschulzeit. (nat) 

 

 

 

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