Hoppsala
 

Die Struktur von hoppsala.de alle Inhalte

Du bist hier: Home »» Pädagogik »» Erziehung & Entwicklung

Suchen

Home

Journal

Pädagogik

Erziehung & Entwicklung

Kleinkinder

Kindergartenalter

Schulanfänger

Schulkinder & Teens

Besser Lernen

Medienerziehung

Leseförderung

Ängste bei Kindern

Sexualpädagogik

Pädagogische Konzepte

Debatte

 

Junge Familie

Gesundheit

Ernährung

Freizeit & Feste

Kindergeburtstage

DIY - Selbstgemacht!

Seite für Kinder

Bücher für Kids & Co

Gewinnspiele

Kontakt/Impressum

 

Aus der Bücherecke

Schau mal hier, worin gleichen sich die vier?

lesen


Zurück zur letzten Seite Druckversion Seite empfehlen Einen Kommentar schreiben

 

Terminologie von Hochbegabung

Zunächst einmal ist zu klären, was unter dem Terminus "besonders begabt" bzw. "hochbegabt" zu verstehen ist. Diesen Begriff eindeutig beschreiben zu wollen ist allerdings äußerst problematisch. Begriffsunklarheiten entstehen im deutschsprachigen Raum u.a. aufgrund der Vielzahl von Termini. So umfaßt noch nicht einmal die Auflistung von Rost alle Begriffe, die in der deutschsprachigen Literatur verwendet werden: die Termini `hohe Begabung´, `höhere Begabung´, `Höchstbegabung´, `Hochbegabung´, `Hochbefähigung´, `Spitzenbegabung´, `Hochleistungsdisposition´ und `besondere Begabung´ (vgl. Rost, 1994) können nicht eindeutig semantisch voneinander abgegrenzt werden. Dieser Mangel trifft auch auf die im anglo-amerikanischen Sprachgebrauch verwendeten Begriffe wie z.B. `gifted´, `talented´, `bright´ und `exeptionally able´ zu. Sowohl im deutschen als auch im anglo-amerikanischen Sprachraum werden nahezu alle unterschiedlichen Begriffe synonym benutzt.

Durch die große Anzahl gebräuchlicher Termini deutet sich schon die Komplexität des Phänomens Hochbegabung an. Im allgemeinen denken die meisten Menschen im Zusammenhang mit Hochbegabung an hohe Intelligenz und an das damit verbundene Meßinstrument, den Intelligenztest. So ist hohe Intelligenz sicherlich ein Faktor, der in den gebräuchlichen Definitionen einen großen Stellenwert einnimmt. Heutzutage wird allgemein akzeptiert, daß intellektuelle Hochbegabung nicht die einzige Form ist, in der sich eine besonders hohe Begabung zeigen kann. Sie kann sich auch in anderen Begabungsfeldern manifestieren. Jede Definition, die nur den Intelligenzfaktor berücksichtigt, wäre völlig unzureichend, da die Intelligenz "nur einen Ausschnitt aus dem breiten Spektrum an Begabung anzeigt" (Heinbokel, 1996).

Auch Huser betont, daß sich die Experten heute einig sind, "dass sich Intelligenz ständig entwickelt und viel komplexer zu erfassen ist, als dies durch eine IQ-Zahl möglich ist" (ebd., 2000). In diesem Zusammenhang ist sicherlich auch der amerikanische Intelligenzforscher H. Gardner zu erwähnen, der aufgrund von neurobiologischen und neuropsychologischen Erkenntnissen die Theorie der vielfachen Intelligenzen entwickelt hat. So wird es seiner Meinung nach eine endgültige Definition von Intelligenz nie geben können, für ihn sind Intelligenzen "nützliche Fiktionen [...], die uns erlauben, über Prozesse und Fähigkeiten zu sprechen, die untereinander zusammenhängen" (ebd., 1998). Er unterscheidet zwischen neun Intelligenzen, die nicht bewertet oder gegeneinander ausgespielt werden sollten:

  1. die sprachliche Intelligenz
  2. die musikalische Intelligenz
  3. die logisch-mathematische Intelligenz
  4. die räumliche Intelligenz
  5. die körperlich-kinästhetische Intelligenz
  6. die intrapersonale Intelligenz
  7. die interpersonale Intelligenz
  8. die naturalistische Intelligenz
  9. die existentielle Intelligenz (vgl. Gardner, 1998).

Es scheint angebracht zu sein, die Termini und die Art wie sie in der Literatur verwendet werden, als gleichwertig und gleichbedeutend zu betrachten. Die Diskussion würde sich vielleicht ein wenig vereinfachen lassen, wenn man einerseits Spezialbegabungen (wie z.B. im musischen, künstlerischen oder sportlichen Bereich) und andererseits intellektuelle Hochbegabung voneinander abgrenzt. Eine Definition, die sich auf die intellektuelle Begabung beschränkt, wird als eindimensionale Definition bezeichnet. Zu kritisieren wäre weiterhin, daß ein hoher Wert in einem Intelligenztest weder etwas über fehlende Herausforderungen und Anforderungen in der Schule aussagt, noch über ein bisher unentdecktes und unentfaltetes Begabungspotential (vgl. Fels, 1999), eventuell auch in einem anderen, als dem intellektuellen Bereich.

Daher berücksichtigen offene Definitionen, daß sich eine hohe Begabung in vielen Bereichen zeigen kann, wie z.B. im musikalischen, künstlerischen, sozialen oder psychomotorischen, und sich nicht unbedingt in guten Schulleistungen manifestieren muß. Vor allem aber vernachlässigt die eindimensionale Definition von Begabung wichtige Determinanten, die ein Begabungspotential erst zur Entfaltung kommen lassen, wie z.B. interne Faktoren (Motivation, Interesse, emotionale Stabilität), Kreativität und die Einflüsse aus der Umwelt (Familie, Schule, Peers). Dies hat selbst der amerikanische Forscher Lewis M. Terman (1877 - 1956), der lange Zeit vehement für die Einfaktortheorie plädierte, zwei Jahre vor seinem Tod eingestanden.

Mönks faßt zusammen, daß die von Terman über lange Zeit hinweg gesammelten Forschungsdaten unwiderlegbar deutlich gemacht hätten, daß Intelligenz alleine nicht ausreicht, um außergewöhnliche Leistungen zu erbringen (vgl. ebd., 1998). "Leute aus [Termans] Forschungsgruppe, die es zu etwas gebracht hatten, erwiesen sich nicht nur als besonders intelligent, sondern auch als durchsetzungsfähig und hoch motiviert, und außerdem machte die Lebensgeschichte dieser Erfolgreichen deutlich, daß die soziale Umgebung positiv und förderlich eingestellt war" (ebd., 1998). Terman revidierte seine Theorie also dahingehend, daß auch soziale Faktoren und Persönlichkeitsmerkmale entscheidend zur Realisierung von Begabung beitragen.

Die Forscherwelt ist sich einig darüber, daß eine hohe intellektuelle Begabung vorliegt, wenn eine Person im kognitiven Bereich ein hohes Fähigkeitspotential aufweist. In der Broschüre der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK, 1997) wird intellektuelle Hochbegabung definiert als `besonders hohe Ausprägung von Intelligenz´ und als `herausragende Denk- und Problemlösefähigkeit´. Als Merkmale werden weiterhin eine `sehr gute Lernfähigkeit´, eine `schnelle Auffassungsgabe´ und `außerordentliche Gedächtnisleistungen als Konsequenz einer besonderen Informations- und Verarbeitungskapazität´ genannt (vgl. DGhK, 1997). Eine hohe intellektuelle Begabung bezieht sich meistens auf mehrere Wissensgebiete und auf die Fähigkeit "auf ganz verschiedenen Gebieten neuartige Anforderungen zu bewältigen bzw. sich in neuen Situationen zurechtzufinden" (BMBF, 1999).

Die Begabung eines Kindes, d.h. die angeborene Fähigkeit bzw. das Potential zu besonderer oder gar herausragender Leistung in den verschiedensten Gebieten, kann sich also in den unterschiedlichsten Formen manifestieren (vgl. Heller, 1996). Jedes Kind hat ein Recht darauf, entsprechend seinen Begabungen gefördert zu werden, von daher wird gerade im Zusammenhang mit der außerschulischen Förderung jede Art von Begabung, egal ob musischer, künstlerischer, motorischer oder sozialer Natur als förderungswürdig angesehen.

Anhand der Vielfalt in der Terminologie wurde bereits darauf hingewiesen, daß das Konstrukt Hochbegabung äußerst komplex ist. So gibt es auch keine einheitliche, allgemein gültige Definition. Laut Feger ist die Zahl der verwendeten Definitionen größer als 100 (vgl. Feger, 1988). Und keine von ihnen ist nach wissenschaftlichen Maßstäben präzise genug, um von einer Mehrzahl der Hochbegabungsforscher akzeptiert zu werden (vgl. Hany, 1987), da keine dieser Definitionen alle möglichen Aspekte erfaßt, die im Zusammenhang mit Hochbegabung auftreten können. Dennoch gibt es Definitionen, die weitgehend als verbindlich akzeptiert werden, wie z. B. die Marland-Definition aus dem amerikanischen Sprachraum.

Auch in zahlreichen Abhandlungen der deutschsprachigen Literatur zum Thema Hochbegabung findet man häufig Definitionen, die auf der Marland-Definition basieren (vgl. Heinbokel, 1996; Feger, 1988). Sie wurde von einer Kommission der Bundesregierung in den USA unter der Leitung von Sidney P. Marland Jr. aufgestellt, die 1971 den Auftrag vom amerikanischen Erziehungsministerium bekam, über die Etablierung von bundesstaatlichen Erziehungsprogrammen für Hochbegabte zu berichten, inoffiziell auch als Marland-Report bezeichnet:

Gifted and talented children are those identified by professionally qualified persons who by virtue of outstanding abilities, are capable of high performance. These are children who require differentiated educational programs and/or services beyond those normally provided by the regular school program in order to realize their contribution to self and society. Children capable of high performance include those with demonstrated achievement and/or potential ability in any of the following areas, singly or in combination:

  1. general intellectual ability
  2. specific academic aptitude
  3. creative or productive thinking
  4. leadership ability
  5. visual and performing arts
  6. psychomotor ability.

It can be assumed that utilization of these criteria for identification of the gifted and talented will encompass a minimum of 3 to 5 percent of the school population. (zit. Marland (1971); In: Passow, 1993, S.30)

Im Vergleich zu Terman berücksichtigt Marland nicht nur die intellektuelle Hochbegabung, sondern auch andere Begabungsfelder. Sie schließt weiterhin eine bisher unentdeckte Hochbegabung mit ein und fordert spezielle Möglichkeiten der Förderung für alle Schulstufen. Zwischen den Zeilen enthält diese Forderung implizit auch das Eingeständnis, daß die reguläre Förderung der entsprechenden Schüler im schulischen Rahmen eher unvollkommen ist.

Nur nebenbei sei an dieser Stelle erwähnt, daß der Bericht besagte, daß "hochbegabte Kinder aufgrund der großen Diskrepanz zwischen ihren Fähigkeiten und dem schulischen Angebot die am stärksten benachteiligte und ‚retardierte' Schülergruppe sei" (Winner, 1998). Diese Definition von Hochbegabung kann nur klären, welche Kinder als besonders begabt anzusehen sind, nicht aber wie Begabungen bedingt sind bzw. welche Faktoren die Begabungsentfaltung beeinflussen.

Christiane Ontrup

 

Hier findet Ihr weitere Artikel aus unserem Bereich Erziehung & Entwicklung

nach oben

Zurück zur letzten Seite
Druckfähige Version dieser Seite
Diese Seite empfehlen
Meinung zu diesem Artikel schreiben

Yoga & Spirit

Auf unserer Partnerseite so-ham.de findest du viele Inspirationen rund um Yoga und Achtsamkeit. Gönn dir eine Auszeit auf




Quicklinks



 

© hoppsala.de | Entwicklung: HEIM:SPIEL | Datenschutz