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Der Pelznickel mit dem geflickten Stiefel

"Heute kommt bestimmt der Pelznickel zu uns in die Schule“, flüsterte Dieter, mein Banknachbar, als unsere Lehrerin sich gerade mit den Hausaufgaben der Erstklässler beschäftigte. Dieter deutete hinüber auf den schon recht schwindsüchtig gewordenen Abreißkalender an der Wand neben dem riesigen schwarzen Bullerofen. Dort prangte eine dicke 6 über dem Monatsnamen Dezember.

„Soll er doch kommen!“, antwortete ich ziemlich uninteressiert, denn meine Aufmerksamkeit wurde vielmehr vom Adventskalender gefesselt, der gleich neben dem eigentlichen Kalender an der Wand hing und der mich ganz besonders faszinierte. Darauf verteilte nämlich unsere Lehrerin jeden Tag Punkte. Einen roten Punkt erhielt derjenige, der den ganzen Tag über nicht geschwätzt hatte, einen goldenen, wer durch besondere Leistungen aufgefallen war und einen schwarzen bekamen alle diejenigen, die keine Hausaufgaben gemacht hatten, unpünktlich zum Unterricht gekommen waren, sich mit anderen in der Pause geprügelt hatten oder sonstwie unangenehm aufgefallen waren. Ich hatte bisher bei der ganzen Geschichte recht gut abgeschnitten, nur die Hedwig, diese Streberin, hatte mehr Punkte als ich. Doch die fehlte wegen einer Erkältung schon seit einigen Tagen. Und ich hatte mir ausgerechnet, daß ich sie heute überholen könnte, weil sie auch heute krank war.

Kurz nach der großen Pause kam er dann endlich, der Pelznickel. Zuerst polterte es mehrmals draußen im Flur, danach pochte jemand lang und heftig an die Tür. Dann kam er schließlich in unseren Saal hereingerasselt und gestampft. Natürlich fiel uns zuerst der große Sack auf, den der Pelznickel auf dem Rücken trug, und danach das dicke, schwarze Buch unter seinem Arm. Die Ketten, die er umhängen hatte, machten ein fürchterliches Geklirre, als er jetzt nach vorn zum Lehrerpult stapfte und dabei so fest auftrat, daß man meinen konnte, er wolle mit seinen genagelten Stiefeln den geölten Bretterboden des Schulsaals durchbrechen. Natürlich hatte er auch einige Haselstöcke in seinem Sack stecken und, wie die Erwachsenen erzählten, soll er damit in früheren Zeiten schon manche Buben ganz gehörig verdroschen haben.

Heute begann er aber erst einmal mit dem Vorlesen aus seinem schwarzen Buch, nachdem ihn unsere Lehrerin begrüßt und willkommen geheißen hatte. Und was da alles drinstand in diesem Buch! Daß der Michael und der Heiner im Sommer Kirschen geklaut hatten, daß die Marlies immer bei ihrer Nachbarin abschreibt, daß der Peter sonntags nie in die Kirche geht und, und, und ...
Ich muß gestehen, mir wurde die ganze Vorleserei, Ermahnerei und alle die Versprechungen der Genannten, so etwas künftig nie wieder zu tun, allmählich schrecklich langweilig. Und so fing ich an, mir den Pelznickel einmal genauer anzusehen, hatte ich doch vorhin, als er durch den Saal gestampft war, irgendwie den Eindruck gewonnen, ihn zu kennen. Aber das konnte ja wohl nicht sein, denn der Peter hatte doch gerade eben erst in seinem Gedicht vorgetragen „Von drauß’ vom Walde komm ich her“. Und der dicke, abgewetzte Wintermantel, der schwarze Schal, den der Pelznickel um Mund und Nase gebunden und der graue Schlapphut, den er tief in die Stirn gezogen hatte, deuteten genau darauf hin.

Und trotzdem glaubte ich einen Moment lang, diesen Hut schon einmal gesehen zu haben … Großvater hatte so einen und der hing normalerweise innen am Scheuertor. Er zog ihn immer auf, wenn er draußen im Garten oder im Hof etwas zu erledigen hatte und es kalt war oder regnete oder schneite.
Jetzt fiel auch noch das schwarze Buch, aus dem der Pelznickel vorgelesen hatte, vom Lehrerpult hinunter auf den Fußboden. Unwillkürlich guckte ich dorthin und somit auch auf die Stiefel des Pelznickels. Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu! Der rechte sah genauso aus wie der meines Großvaters, den ich vor einigen Tagen beim Schuhmacher abgeholt hatte!

„Sag deinem Opa, ich hätte braunes Leder nehmen müssen für die Kappe, die ich vorne auf den rechten Stiefel gesetzt habe. Es gibt halt derzeit kein schwarzes Leder und da muß man noch froh sein, wenn man wenigstens braunes hat in so armen Zeiten. Er soll immer feste schwarze Schuhwichse darüber streichen, dann wird sie mit der Zeit auch dunkler, die braune Kappe.“
Hatte der Leo vielleicht doch recht, wenn er behauptete, daß es überhaupt keinen Pelznickel und kein Christkindchen gäbe, und daß das nur Erwachsene seien, die sich verkleideten, um den dummen, kleinen Kindern Angst zu machen und sie dazu zu bringen, schön lieb und brav zu sein?

Der Pelznickel war inzwischen bei den ziemlich braven Kindern angekommen. Er verteilte gedörrte Zwetschgen und Nüsse und versprach schließlich den ganz Braven besonders schöne Weihnachtsäpfel, die man sogar an Heiligabend an den Baum hängen könnte. Und dann griff er in den Sack und verteilte unsere Weihnachtsäpfel, die im Keller ihren besonderen Platz hatten und die nur auf einem speziellen Baum am Bornacker wuchsen und von denen man nie auch nur einen einzigen Pausenapfel mit in die Schule nehmen durfte, weil sie doch in der gesamten Familie reihum als Weihnachtsäpfel gebraucht wurden.

„Großvater, das kannst du doch nicht machen, hier in der Schule alle unsere schönen Weihnachtsäpfel zu verteilen! Nachher haben wir dann selbst keine mehr!“, protestierte ich lauthals.

„Dummer Bub, sei doch still! Das sind doch gar nicht unsere! Die hat mir eure Lehrerin gegeben, damit ich sie hier an die braven Kinder verteile“, schrie der Pelznickel jetzt zurück und wurde ziemlich wütend.

Kein Wunder, daß jetzt der Nikolaustag in unserer Schule rasch seinem Ende zu ging. Hals über Kopf bugsierte unsere Lehrerin den Pelznickel aus dem Saal, und wir wurden nicht einmal aufgefordert, ihm ein Abschiedslied zu singen, obwohl wir doch gerade zu diesem Zweck eins einstudiert hatten. Der Rest der Stunde wurde mit Kopfrechnen ausgefüllt.

Warum ich allerdings am Ende dieses Schultages zum ersten Mal in meinem Leben einen schwarzen Punkt bekommen habe, konnte ich lange Zeit nicht begreifen.

Mein Großvater verstand übrigens auch nicht, warum unsere Lehrerin nie mehr bei ihm stehenblieb, um sich mit ihm zu unterhalten, wenn sie an unserem Haus vorbeiging, obwohl sie früher doch immer so gerne lange und tiefschürfende Gespräche mit ihm geführt hatte. Mir war jedoch besonders wichtig, daß mir Großvater wegen dieser Geschichte nicht böse war.

Zeitgut Verlag/Privatbesitz des Verfassers, Egon Busch


Aus:

Unvergessene Weihnachten. Band 11
27 besinnliche und heitere Zeitzeugen-Erinnerungen.
192 Seiten, viele Abbildungen, Ortsregister.
Zeitgut Verlag, Berlin.
Bestellen unter: Tel. 030 70 20 93 0
info@zeitgut.de; www.zeitgut.de
Taschenbuch, ISBN: 978-3-86614-254-1, EURO 5,90
Gebunden, ISBN: 978-3-86614-253-4, EURO 7,90



 

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