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Schulsystem im Wandel - Das neue jahrgangsübergreifende Modell

Noch ein Jahr Kindergarten und dann ist es soweit. Rudi kann es kaum erwarten. Dann wird er auch endlich zu den "Großen" gehören wie sein Bruder und endlich in die Schule kommen. Doch nicht nur Rudi erlebt 2005 einen Neuanfang. Mit ihm starten viele Lehrer des Landes Nordrhein Westfalen in eine neue Schulzeit. Denn auf Rudi und seine Lehrer wird eine komplett neue Schulanfangsphase zukommen. Ab 2005 gibt es eine wichtige Änderung in den ersten und zweiten Klassen unserer Grundschulen. Dann wird das neue Konzept zur flexiblen Schuleingangsphase greifen. Das bedeutet für unseren Rudi, dass er nicht nur mit Kindern aus seinem Jahrgang in eine Klasse gehen wird sondern auch zusammen mit älteren Kindern aus der zweiten Klasse. Denn Erst- und Zweitklässler werden nun nicht mehr streng getrennten voneinander Unterrichtet sondern, jahrgangsübergreifend und je nach Lernstand des Kindes. Eingeteilt wird also nicht mehr nach Alter sondern nach Lernstand. Doch wie lässt sich dieses Modell umsetzten, ohne das viele unter- oder überfordert werden.

Mehr Zeit für Flexibilität

Ab 2005 haben Rudi und seine Klassenkameraden für die ersten beiden Schuljahre anstatt zwei Jahren ganze drei Jahre Zeit, je nachdem, wie sich ihre Schulfähigkeit entwickelt. So hat ein begabtes Kind die Möglichkeit von der ersten Klasse sofort in die dritte zu springen. Wenn sich allerdings herausstellt das unser Rudi ein "Träumer" ist und in der Schule nicht so schnell Fortschritte macht, kann er die Lernelemente der ersten und zweiten Klasse nochmals wiederholen und dann erst nach drei Jahren in die dritte Klasse kommen.

Um das Konzept umzusetzen soll der Schulalltag umgestaltet werden. Nicht mehr Frontalunterricht, sondern flexibles eigenmotiviertes Lernen und unterschiedliche Lerngruppen sollen die starren Unterrichtsmethoden ablösen. Effiziente Lernstrategien und soziale Kompetenzen sind die Ziele, welche sich das Ministerium für Schule, Jugend und Kinder/NRW von diesem neuen Konzept erhofft.

Rudi wird also in Zukunft mit Kindern seines derzeitigen Lernstandes Aufgaben lösen. Verstärktes selbstständiges Arbeiten in Lerngruppen wird den neuen Schulalltag bestimmen. Dadurch sollen Rudi und seine Mitschüler von Klein auf lernen, wie sie sich eigenmotiviert Wissen aneignen, selbständig Probleme lösen und mit anderen Kindern in einem Team zusammenarbeiten können.

Aber zuviel Flexibilität kann auch verwirrend sein. Vor allem Kinder mit Lernproblemen benötigen ein gewisses Maß an Struktur. Sie sind auf beständige Beziehungen zu Mitschülern, Lehrern und einen beständigen Ort wie dem Klassenraum angewiesen.

"Wichtig bei Kindern mit Lerndefiziten ist ein überschaubarer Lernrahmen". Sozialpädagoge Herbert Mört, Leiter des Kinderhortes Sternstrasse in Münster warnt vor zuviel Flexibilität der neuen Unterrichtsform. "Die Lernsituation ist bestimmt durch einen ständigen Wechsel und der daraus resultierenden Unruhe. Das Kind muss sich je nach Fach und Begabung auf immer neue Gruppen und Arbeitssituationen einstellen. Ruhige und gewohnte Lernumgebung ist nicht vorhanden. Wenn ein Kind in der Schule sowieso schon Schwierigkeiten hat, muss es zusätzlich auch noch mit erschwerten Lernbedingungen fertig werden" kritisiert Herbert Mört.

 

Zwischen Kindergarten und Schule

Doch was passiert, wenn Rudi noch gar nicht reif für die Schule ist. Wenn Erzieher und Lehrer beschließen, dass er noch eine Vorlaufphase im Schulkindergarten benötigt? Ab 2005 gibt es keine Schulkindergärten mehr. Diese Kindergärten waren ein Puffer für Kinder welche im Schulalter noch nicht ihre Schulreife erreicht hatten. Hier wurden sie intensiv gefördert und auf den Schulalltag vorbereitet. Schritt für Schritt lernen sie hier, sich zu konzentrieren, still zu sitzen, den Unterricht nicht zu stören und den Lernstoff zu verstehen.

Nun soll der Schulkindergarten in die Schule eingegliedert werden. Das bedeutet, alle Kinder kommen sofort in die Schule. Eine Zurückstellung erfolgt nur unter erheblichen gesundheitlichen Bedenken. Das heißt für Rudi, er kommt auf jeden Fall in die Schule, auch wenn Erzieher und Eltern ihm gerne noch ein bisschen Zeit gelassen hätten.

Wenn Rudi im Unterricht überfordert ist, wird er in der Schule Förderstunden erhalten. Hier werden zukünftig seine Schulprobleme aufgearbeitet. Durch das Integrieren des Schulkindergartens in die Grundschule wird der Schulkindergarten im wahrsten Sinne des Wortes eingespart. In Zukunft sind also neben den Lehrern auch Erzieher an der Grundschule angestellt und werden hier für die zusätzliche Förderung der Kinder mit geringer Schulfähigkeit zuständig sein. Für das neue Modell benötigt der Staat viel weniger Erzieherinnen als im früheren Schulkindergarten. So können Kosten eingespart werden. Die Folgen dieser Einsparung sind im Moment unabsehbar, können aber für Schüler mit Lernschwierigkeiten verheerend sein.

Leider sind für 3462 Grundschulen nur 655 Erzieherstellen vorgesehen. Das bedeutet, dass Kinder mit Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten nicht so intensiv betreut werden können wie es im Schulkindergarten der Fall war. Hier besteht also die Gefahr, dass die Förderung nicht ausreicht und die Kinder durch einen verfrühten Start in die Schullaufbahn negativ geprägt werden. Denn die vielfachen Leistungen des Schulkindergartens können nur durch ein ausgereiftes Konzept und durch ausreichende pädagogische Mitarbeit ersetzt oder sogar verbessert werden.

Auch Herbert Mört sieht der Entwicklung des allgemeinen Stellenabbaus im Schulsystem mit Sorge entgegen. "Überfüllte Klassenzimmer, soziale Dienste wie Schulpsychologen und Fördermaßnahmen werden ausgedünnt. Bestimmte Maßnahmen für lernschwache Kinder sind in Zukunft nicht mehr nutzbar. Ein Teil der Kinder kann, durch die Einschränkung der sozialen Dienste, nicht mehr aufgefangen werden und fällt aus dem Schulsystem heraus. Schlechte Vorraussetzungen für Kinder die ein bißchen langsamer lernen. Ordinäre Leistungsvermittlung ist schon jetzt in den Schulen nicht mehr ausreichend möglich. Wie sollen diese veränderten Bedingungen zu einer Qualitätsverbesserung beitragen".

 

Zusätzliche Anforderungen an Lehrer und Erzieher

Um den Entwicklungsstand des Kindes genau einstufen zu können ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Grundschule nötig. Erzieherinnen müssen zwingend für jeden Schulanfänger ein Schulfähigkeitsprofil erstellen. Dieses Profils des jeweiligen Schülers ermöglicht dem Lehrer schneller auf bestehende Schwächen zu reagieren und diese optimal zu fördern. Für die weitergabe dieses Profiles ist allerdings die Einverständniserklärung der Eltern nötig.

Das Berufsbild Lehrer bekommt neue Aufgaben. Diese Aussage unterstützt auch Herbert Mört: "Zu den normalen Aufgaben der Lehrer kommt eine anspruchsvolle Elternarbeit. Eltern müssen informiert und beruhigt werden. Wenn ihr Kind zum Beispiel drei anstatt zwei Jahre benötigt. Diese zusätzlichen Aufgaben bedeuten Überzeugungsarbeit und viele Spannungen zwischen Lehrer und Eltern".

Der flexible Unterricht steht und fällt mit dem Lehrer. Gelingt es ihm nicht, die Kinder optimal zu fördern und die Flexibilität richtig zu "strukturieren", wird der Unterricht schwammig und der Lerneffekt bleibt aus. Für eine optimale Gruppenarbeitssituation muss der Entwicklungsstand der Schulkinder regelmäßig neu eingeschätzt werden. Sitzungen mit den Kollegen werden notwendig um die Begabung oder auch die Schwachpunkte der Kinder zu entdecken und umfassend zu fördern.

Die pädagogische Arbeit wird anspruchsvoller - Das ist auch die Meinung von Diplom Sozialpädagoge Mört. Doch können Lehrer diesen Ansprüchen gerecht werden? "Es gibt viele abgestumpfte und ausgepowerte Lehrer, die kurz vor ihrem Burn out stehen oder schon einen erlitten haben. Diese erschöpften Lehrer müssen durch das neue Konzept noch mehr leisten. Je nachdem, ob der zuständige Lehrer das Konzept richtig umsetzten kann oder nicht, wird es unterschiedliche Lernvorrausetzungen an unseren Schulen geben," so Mört.

Das neue System zeigt eine pädagogische Richtung die durchaus zukunftsweisend sein kann. Doch darf dieses Modell nicht als Sparmodell missbraucht werden. Viele Erzieherstellen der Vorschule werden wegfallen und damit auch ein großes Stück Unterstützung auf dem Weg in den Schulalltag. " Das Schulmodell wurde nicht vorher getestet, sondern wird sofort flächendeckend eingesetzt", kritisiert Herr Mört. "Nach dem Motto erst einführen, dann auswerten." Wie sich das Modell auf unsere Schüler auswirken wird, bleibt unklar.

Wir wünschen trotzdem allen Schulanfängern einen guten Start.

Stephanie Wolf

 

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Nutzer-Kommentare zu diesem Beitrag

20.07.2004

jahrgangsübergreifende Klassen (von Gitta Edelmann)

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