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Sebastian und die Hochzeitsfeier

Samstagmorgen 6.00 Uhr, der Wecker piept vor sich hin und ich greife hinüber um dieses nervtötende Geräusch abzustellen. Wieso muß ich eigentlich am Samstag um 6.00 Uhr aufstehen?

Ach ja, heute heiraten Anna und Felix. Sie ist Italienerin, er Deutscher und die beiden feiern ein Riesenfest mit rund zweihundert Gästen. Um 11.00 Uhr soll die kirchliche Trauung beginnen und bis dahin habe ich noch einiges zu tun, also raus aus den Federn!
Mein Mann und mein Sohn schlafen noch fest als ich schon unter der Dusche stehe. Danach schnell die Lockenwickler in die Haare und das Make-up ins Gesicht. In der Küche ruck-zuck das Frühstück vorbereiten, meine beiden Herren wecken und ins Badezimmer scheuchen. In der Zwischenzeit hole ich die Lockenwickler aus meinen Haaren und versuche mich darin mein Haar locker am Hinterkopf festzustecken, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Also, her mit der Brüste und irgendwie sehen meine Haare dann doch fast so aus wie immer.
Weiter geht's, meinem Sohn Sebastian beim anziehen helfen und aufpassen das mein Mann das anzieht was ich für ihn herausgesucht habe, nebenbei schlüpfe ich auch noch schnell in mein Kleid.

Abmarsch zum Frühstück, Basti's Tasche mit Ersatzklamotten, Windeln, Feuchttüchern, Getränken und kleinen Snacks ist auch schon fertig gepackt, wir liegen gut in der Zeit.

Kaum in den Wagen eingestiegen sehe ich, daß ich meine Uhr oben im Badezimmer vergessen habe, okay raus und die Uhr holen. Als ich wieder ins Auto steige riecht es recht seltsam. Ich schaue nach hinten und frage meinen Sohn: "Hast du die Windel voll?" Mein Sohn nickt betreten ... wieder raus aus dem Wagen.

Mit meinem Krümel unter dem Arm eile ich die Treppe hoch, leichtsinniger Weise nehme ich die letzten beiden Stufen aufeinmal ... mein Kleid knirscht bedenklich. Egal, erst wird jetzt das Kind gesäubert. Frisch gewickelt übergebe ich meinen Sohn an meinen Mann: "Schatz, geh' mit Basti nochmal in die Küche, er hat Durst." Ehemann und Sohn schleichen sich und ich schaue nach was mit meinem Kleid passiert ist. Der Gehschlitz hinten ist eingerissen! Kleid ausziehen, Nadel und Faden schnappen, solche Kleinigkeiten mach' ich doch mit links. Unten höre ich von meinem Mann ein entsetztes: "Oh nein!" Mein Kleid ist wiederhergestellt, Ehemann und Sohn erscheinen oben. Auf Basti's eben noch hellblauem Hemd prangt ein riesiger Fleck. Kirschsaft, nehme ich an und habe recht. Alles klar, Kind umziehen und ab ins Auto. Mein wunderbarer Zeitplan ist natürlich längst hinfällig geworden.

Als wir an der Kirche eintreffen steht die Braut auf dem Vorplatz und drinnen beginnt soeben der Hochzeitsmarsch. Wir schlüpfen möglichst unauffällig in die Kirche, dabei werden wir von zweihundert Augenpaaren kritisch beäugt. Wir suchen uns schnell einen Platz und üben uns im unsichtbar machen. Dann kommt auch schon die Braut hinein, die Aufmerksamkeit ruht nicht mehr auf uns und die Hochzeitszeremonie nimmt ihren lauf.

Mein Mann und ich atmen auf und langsam entspannen wir uns. Da entdeckt unser Sohn schräg vor uns an einem Pfeiler eine fast lebensgroße Heiligenfigur. Ich kenne mich mit den katholischen Heiligen leider nicht so gut aus und kann daher nicht sagen wer dort dargestellt wurde, doch mein Krümmel ist entsetzt. "Mama, der Mann hat Aua mit viel Blut", sagt mein Sohn sehr laut mitten in die Stille eines Gebets hinein. Es ist aber auch wirklich kein schöner Anblick, denn der arme Heilige ist von einigen Pfeilen durchbohrt und das Blut läuft in Strömen an der Figur hinunter. Da fängt Basti auch schon an zu zappeln und will sich diesen blutenden Mann mal näher ansehen. Damit die feierliche Stimmung nicht gestört wird, schnappte ich mir meinen Sohn und eile mit ihm hinaus.

Draußen vergnügen wir uns mit hüpfen, nachlaufen und verstecken spielen. Ich, aufgebretzelt mit Kleid, Pumps und Make-up, sehe dabei bestimmt ziemlich amüsant aus. Vom Ja-Wort meiner Freunde bekomme ich leider nichts mit. Was soll's ... schließlich wird alles auf Video festgehalten und irgendwann werde ich die volle Hochzeitszeremonie auch einmal sehen, außerdem liegt die eigentliche Feier noch vor uns. Da öffnet sich die große Tür, vorne das Brautpaar und dahinter die gesamte Hochzeitsgesellschaft ergießt sich auf den Platz vor der Kirche. Nach einigem suchen finde ich endlich meinen Ehemann, dafür ist mein Sohn plötzlich weg. Eine Gruppe von Kindern versucht gerade aus dem Blumen streuen einen Wettbewerb im Blumen hochwerfen zu machen und mein Sohn ist mittendrin. Während ich noch damit beschäftigt bin meinen Zwerg aus diesem Knäuel von Kindern heraus zu operieren besteigt das Brautpaar die Hochzeitskutsche. Das ist der Startschuß für die Gäste, alle stürmen zu ihren PKW's um der Kutsche zu folgen. Auch wir erreichen unser Auto und reihen uns ein.

Das hat schon was wenn an die hundert Wagen einer Kutsche hinterher fahren und dabei den Autoverkehr einer Kleinstadt zum erliegen bringen. Nach 30 Minuten fahrt und einer Hupe die sich mittlerweile anhört wie eine Gummiente, erreichen wir das Restaurant in dem gefeiert werden soll. Basti findet bei den anderen Kindern schnell Anschluß und spielt vergnügt. Endlich habe auch ich Zeit dem Brautpaar zu gratulieren. Felix, der Bräutigam, freut sich mich zu sehen. Er hatte schon gemutmaßt das ich nicht zu seiner Hochzeit gekommen bin. Ich erkläre rasch, daß es ein paar kleinere Pannen gab und denke mir dabei, daß einer der keine Kinder hat das sowieso nicht versteht. Die nächste Katastrophe läßt selbstredend nicht lange auf sich warten. Als ich gerade meinen Kaffee genieße kommt mein Mann an den Tisch, er hat eine von Sebastians Sandalen in der Hand. "Schatz, schau doch mal. Hier stimmt was nicht mit dem Klettverschluß", sagt er und gibt mir den Schuh.

Tatsächlich hat sich ein Teil des Klettverschlußes von dem Riemchen gelöst. Wunderbar, denke ich und mit dem Schuh in der Hand trotte ich in den Servicebereich des Restaurants. Dort angekommen schildere ich den hilfsbereiten Mitarbeitern mein Problem. Nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen den Schuh zu reparieren, kommt eine der Kellnerinnen mit einem Bürotacker zu mir. Mit Hilfe dieses Utensils schaffen wir es den Klettverschluß wieder an dem Riemchen zu befestigen. Schuh in Ordnung, Kind wieder zufrieden und mein Mann und ich versuchen die Feier auch ein wenig genießen.

Sebastian spielt derweil vergnügt in mitten einer Gruppe deutsch italienischer Kinder. Eine Sprachbarriere gibt es bei den Minis offenbar nicht, die reden einfach mit Händen und Füßen.

Toni, einer der von Anna's Brüdern, hatte uns gesagt, daß wir gut auf unseren Kleinen achten sollen, denn sein vierjähriger Neffe Luca sei sehr wild und im Umgang mit kleineren Kinder nicht sehr rücksichtsvoll. Ich habe es mir verkniffen Toni zu erklären, daß unser Sohn so eine Art Wolf im Schafspelz ist. Basti ist zwar erst gute zwei Jahre alt und sieht mit seinen großen blauen Augen und den blonden Locken allerliebst aus, doch auch er hat es faustdick hinter den Ohren. Kaum das ich diesen Gedanken zu ende geführt habe, beginnt in der Kinderecke ein unglaubliches Geschrei. Mein Mann und ich sausen sofort zu der Gruppe hinüber. Der wilde Luca sitzt am Boden und weint erbärmlich, seine Mutter und noch einige Frauen reden wild auf italienisch durcheinander. Luca hat ein blaues Auge und eine üble Schramme auf der Wange, mein Sohn steht neben dem Verletzten und hält ein Feuerwehrauto in der Hand. Als Basti mich sieht sagt er: "Mein Auto! Luca darf das nicht haben." Autsch, denke ich und fische meinen Sohn aus dem Gewühl heraus. Luca wird derweil von seiner Mama in den Waschraum abtransportiert. Die Diskussion über den Unfallhergang wird immer noch in italienisch geführt, ich verstehe zwar kein Wort doch irgendwie hört sich das alles recht bedrohlich an.

Mit Ehemann und Sohn schleiche ich zu unserem Tisch zurück und schaue wohl ziemlich betreten aus der Wäsche. Toni setzt sich zu uns, und mein Mann bittet Toni unser Bedauern für diesen Vorfall zu übermitteln. Doch Toni wehrt ab: "Die regen sich nicht darüber auf das Luca verletzt wurde, die können nur nicht fassen das euer Kleiner das war und das Luca sich nicht gewehrt hat." Während wir noch ein wenig mit Toni plaudern, schläft mein Sohn in meinem Armen friedlich ein und ist auch nicht mehr wach zu bekommen. Klar es ist gleich 18.00 Uhr und er hatte keinen Mittagsschlaf. Also verabschieden wir uns bei dem Brautpaar, packen unseren schlafenden Sohn ins Auto und machen uns auf den Heimweg. Kaum auf der Autobahn angekommen, stehen wir auch schon in einem Stau. Basti kriegt davon nichts mit, er schläft. Gegen 20.00 Uhr sind wir endlich zu Hause und pünktlich vor der Garage wird unser Sohn wieder wach, gutgelaunt und vor allem sehr ausgeruht! Ein besinnlicher, stiller Abend rückt in unendliche Ferne.

Es ist schon fast Mitternacht als ich auch in mein Bett schlüpfe und mein Mann sagt: "Ging doch eigentlich ganz gut der Tag mit unserem Zwerg, oder? Und die Hochzeit von Anna und Felix war wirklich toll." Ich murmele nur zustimmend und kuschle mich in meine Decke. Waren mein Mann und ich heute tatsächlich auf dem gleichen Planeten?

Text © Doris Richter

 

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